Die Landesliga ist in der wohl verdienten Winterpause, die die SGS auf einem hervorragenden 9. Platz entspannt nutzen kann, um die Akkus für die Restserie der aktuellen Spielzeit wieder aufzuladen. Mit den beiden Siegen am Jahresende gegen Steele und Speldorf hievte sich die Rehmannelf über den Jahreswechsel in die Top 10.
Und damit sind wir auch schon bei einigen interessanten Fragen: Wer ist eigentlich diese Elf, die seit dem Antritt von Olaf Rehmann als Trainer der SGS vor drei Jahren zu jeder Saison ein anderes Gesicht hatte und wie sollte das Team künftig aussehen? Welchen Weg will die SGS einschlagen? Und was wünscht sich der Coach?
Gerade seit dem Aufstieg vor anderthalb Jahren ist die Mannschaft von der Ardelhütte eines der jüngsten der Liga. In der vergangenen Saison hat sie trotz ihrer Unerfahrenheit in dieser Klasse – Dennis Wibbe war der einzige Spieler, der jemals höher als Bezirksliga gespielt hatte – relativ sicher und frühzeitig den Klassenerhalt gesichert. Und auch in dieser Spielzeit – nach dem Weggang von Wibbe, Nabil El Hany und Niko Krause – überrascht das erneut runderneuerte Team und steht mit 26 Punkten – neun vor dem ersten Abstiegsplatz – nach der ersten Partie der Rückrunde mit einem Platz unter den Top ten.
Ein Verdienst des Trainerteams unter der Verantwortung von Olaf Rehmann, dem es immer wieder gelingt – gemeinsam mit der sportlichen Leitung um Kurt Nauroschat und Jan van den Woldenberg - , neue, junge, hungrige Spieler einzubauen und im „Konzert der Großen und Mächtigen“ der Liga ihre Instrumente gut zu intonieren. Von Rückschlägen lässt sich die Mannschaft nicht unterkriegen. Im Gegenteil - sie steht immer wieder auf, schmeißt ihr ganzes Talent – und davon hat sie eine Menge – und ihren großen Willen auf den Platz und ist erfolgreich.
Doch irgendwann stellt sich zweifelsohne die Frage, ob dieser Weg Jahr für Jahr so weitergehen soll und ob ihn ein Trainer wie Olaf Rehmann dann auch ebenso mitgeht? Oder sollte die Mannschaft den nächsten Schritt machen und einmal die oberen Plätze der Liga anpeilen? Wir haben darüber mit dem Erfolgscoach gesprochen, der jetzt im dritten Jahr an der Schönebecker Seitenlinie steht.
Redaktion: Danke Olaf, dass Du Dir für dieses Gespräch Zeit genommen hast. Beginnen wir mal mit Deinen Anfängen. Welche Situation hast Du 2022/2023 vorgefunden?
Olaf Rehmann: „Es war damals schon ein großer Umbruch im Team. Aus der Mannschaft, die vor mir den zweiten Platz in der Bezirksliga erreicht hatte, hatten Julian Dusy (138 Oberliga-Spiele), Som Essome (6 NRW-Liga Spiele und 40 Oberliga-Spiele), Tim Seidel (7 NRW-Liga Spiele und 131-Oberliga Spiele), sowie Timo Wolter (bester Torschütze der Mannschaft) den Verein verlassen.“
Redaktion: Es gelang Euch in beeindruckender Weise, trotzdem ein Team auf die Beine zu stellen, das den Aufstieg schaffte. Und dennoch konnten wichtige Spieler nicht gehalten werden.
Olaf Rehmann: „Uns hat fast die gesamte Offensive verlassen, denn mit Robin Barth (29 Tore), Buba Ceesay (14 Tore) und Cem Cece (6 Tore) waren vor allem die Stürmer des Vereins dabei sich neu zu erfinden. Dazu wechselte Marcel Ptach ins Trainerteam und der erfahrene und langjährige Torwart stand nicht mehr zur Verfügung.“
Redaktion: Ihr habt rechtzeitig den Klassenerhalt geschafft, aber der zunächst ungewollte „Verjüngungsprozess“ ging weiter.
Olaf Rehmann: „Nach dem ersten Jahr in der Landesliga haben wir dann mit Dennis Wibbe (33 Regionalliga-Spiele und 118 Oberliga-Spiele) berufsbedingt den Kapitän verloren. Hinzu kamen Nico Krause, Robin Weber und Pascal Eichholz, die für eine Ära an der Adelhütte standen und mit ihrer Erfahrung und Qualität dem Team Sicherheit und Stabilität gegeben haben; dazu der Verlust von Nabil El Hany, der mit 17 Toren bester Torschütze im ersten Landesliga-Jahr war und die Chance hatte, in die Oberliga zu wechseln.“
Redaktion: Wie lässt sich Deine „Gefühlswelt“ in dieser Zeit beschreiben?
Olaf Rehmann: „In jeder Saison, in der ich für die Planung des Kaders mit verantwortlich war, stand bis kurz vor Ende der Spielzeit nicht fest, in welcher Liga die Mannschaft in der kommenden Periode spielen würde. Von daher war eine langfristige Planung nur sehr begrenzt möglich. Jedes Jahr haben wir wichtige Schlüsselspieler verloren. Und jedes Jahr wurden wir von neutralen Beobachtern, aber auch einigen internen Kritikern, als deutlich schlechter als im Vorjahr bewertet und eingestuft.
Für mich sind die Gespräche mit Marcel Ptach in der ersten Vorbereitung bei der SGS noch immer sehr präsent, als er mich anrief und nach meiner ehrlichen Meinung zur Qualität unserer Mannschaft befragte. Seine Einschätzung war, dass wir maximal zwischen Platz neun und elf einlaufen können, da die Mannschaft zu jung sei.“
Redaktion: Irren ist menschlich...
Olaf Rehmann (schmunzelt): „Bedenkt man die Entwicklung der nächsten Jahre, ist die Mannschaft weiter jünger und unerfahrener geworden, aber trotz all der Verluste an gestandenen Spielern nicht schlechter.“
Redaktion: Kommen wir zur Ist-Situation. Neun Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz nach dem ersten Spiel der Rückrunde fühlen sich erst einmal „komfortabel“ an...
Olaf Rehmann: „Jetzt haben wir erstmalig eine Situation, in der wir relativ sicher davon ausgehen können, auch in der kommenden Saison Landesliga spielen zu können. Dazu haben wir eine gute, junge und hungrige Mannschaft, die noch einmal durch Spieler aus der guten A-Jugend-Niederrheinliga-Mannschaft ergänzt wird plus die Möglichkeit, gezielt externe Spieler, auch mit einer gewissen Erfahrung und eben einer bereits nachgewiesenen Qualität, zu verpflichten.“
Redaktion: Was wäre Dein Wunsch?
Olaf Rehmann: „Diese Zielsetzung in der jetzigen Phase soll dazu führen, dass wir nächstes Jahr nicht mehr als erster Abstiegskandidat gehandelt werden und offensiv und selbstbewusst andere Ziele aufrufen können als in den letzten Jahren - und gerne übertreffen wir dann auch diese.“
Das Interview führte Frank Wälscher
Fotos: Marc Pastoors
Mit freundlicher Unterstützung vom Haus Gimken